Die Vorbereitung für meinen Gig | Teil 1 (Serie)

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Unabhängig davon, ob nun der erste “richtige” Auftritt ansteht oder Ihr schon öfters auf der Bühne standet – es gibt allerhand grundlegende Dinge, die Ihr auf jeden Fall für die perfekte Vorbereitung für Euren Gig mit einbeziehen solltet. Ich möchte Euch in diesem Artikel keine Universallösung für den ultimativen Gig vorstellen, sondern vielmehr meine persönlichen Erfahrungen sowie auch die Erfahrungen anderer Musiker & Tontechnikern an Euch weitergeben. Ihr werdet im Laufe dieses Artikels feststellen, wie viel Zeit sich durch eine gute Vorbereitung unmittelbar vor oder während des eigentlichen Auftritts einsparen lässt. Dies sorgt für einen deutlich entspannteren Ablauf aller Beteiligten und erspart Euch vielleicht auch die ein oder andere “heiße” Diskussion.

Beginnen wir also ganz von vorne mit einer realistischen Ausgangssituation:
Die Band Peter Pan plant einen Auftritt in einer Location die ca. 100 Leute umfasst und 40 km von Eurer Homebase entfernt ist. Als Vorband / Gastmusiker wurdet Ihr eingeladen, um die Leute einmal so richtig einzuheizen. Bereits in diesem Satz sind schon einmal drei Fragen entstanden die es für einen persönlich gilt im Vorwege zu klären. Hier sind ein paar Beispiele:

Gage, Vergütung oder Anfahrt?
Wie man es auch betiteln möchte – vergisst niemals Euren Aufwand. Gehen wir davon aus, dass die gesamte Backline auf diesem Konzert für Euch gestellt wird, sprich: Monitorboxen, PA-Anlage, Gesangsmikrofone, Stative etc. So bleiben trotz dessen noch Gitarren-Amps + Boxen, Effektpedals, Snare, evtl. zusätzliche Becken + Stative usw. die für Eure Performance notwendig sind. Zunächst einmal muss also jedes einzelne Utensil aus Eurem Bandraum auseinandergenommen, entkabelt, vernünftig eingepackt und verstaut werden. Rechnen wir also einmal mit einer guten Stunde für Euch, bis jeder sein Equipment zusammen und im PKW verstaut hat. Hinzu kommt nun die Anfahrt. Aus eigener Erfahrung reicht nur ein PKW für 4 Personen, 3 Topteile, 3 Boxen, Becken, Stative, Gitarren und was sonst noch dazukommen mag unmöglich aus, wenn man nicht gerade im Besitz eines LKW mit dem dazugehörigen Führerschein ist. Nun sind wir also schon bei 2 Fahrzeugen, 80 km da hin und Rückfahrt x 2 da zwei PKW. Ergeben 160 km. Merken wir uns diese Zahl einmal und fahren fort. Angekommen an der Location wird nun alles ausgeladen, ordentlich aufgebaut und ausprobiert. Ihr spielt Euren Gig, alle sind zufrieden und schon geht’s wieder von vorne los. Ich möchte Euch die Erklärung der einzelnen Schritte rückwärts ersparen und zeige Euch stattdessen einmal, wie ich diesen Abend anhand eines Rechenbeispiels für eine Band sehe:

Ausgangspunkt:
Samstag, 15:00 Uhr treffen am Proberaum

Ausräumen und Verstauen des Equipments

Fahrtweg zum 40 km entfernten Zielort

Gesamtdauer des Gigs mit Soundcheck und eigentlichem Gig

Heimweg

Ausräumen, Verstauen und wieder anschließen für die nächste Probe

Feierabendbierchen

1,5 Stunden

1 Stunde

6 Stunden

1 Stunde

1,5 Stunde

0 Stunden

Wir kommen also auf eine Zeit von 11 Stunden an der Ihr nun ununterbrochen Unterwegs seid. Der Chronograph zeigt eine Zeit von 02:00 Uhr und Ihr habt nicht mal mehr Lust den Abend/Nacht mit euren Bandkollegen bei einem Bierchen ausklingen zu lassen sondern wollt nur noch ins Bett. Ich habe die Gesamtdauer des Gigs absichtlich auf 6 Stunden beziffert da es für mich zum guten Ton gehört, der Hauptband mit seiner Anwesenheit bis zum Ende derer Präsentation indirekt einen Dank für die Einladung auszusprechen.

Auch wenn einem ein solcher Abend sehr viel Spass bereitet, solltet Ihr nicht vergessen, was für ein Aufwand für jeden dahinter steht. Dem engagierten Taxifahrer macht seine Arbeit vielleicht auch einen riesen Spass, was aber nicht heißt, dass er diese auch unentgeltlich ausüben würde. Auch wenn dieses Beispiel eher symbolisch gemeint ist, bleibt der Inhalt gleich. Wer sich über Jahre hinweg mit seinem Instrument auseinandersetzt, eine ganze Kombo es schafft zeitgleich einen Ton zu produzieren, welches sich am Ende zu einem guten Lied zusammensetzt, hat es mehr als verdient, auch etwas dafür zu erhalten.

Dieser Text soll nicht zum Ausdruck bringen, dass ich von jedem Gig abrate sofern hier kein adäquates Honorar ausgestellt wird, sondern vielmehr darauf hinweisen Euch selber nicht zu vergessen.

Sorry Jungs, Gage gibt’s nicht dafür Zahlen wir Euch aber ‘ne kleine pauschale für die Anfahrt und für Essen & Trinken ist über den Abend gesorgt.

sind Abmachungen die eine solide Grundlage für Euch schaffen. Es muss nicht immer direkt Geld sein, um jemanden für seine Mühe zu belohnen. Die Hauptsache ist, dass Euch der Abend Spaß bereitet es aber nicht zu Euren Lasten geht.

Bevor wir diesen Artikel abschließen und mit dem zweiten Teil dieser Serie fortfahren, möchte ich noch eine Grundsätzlichkeit klären, die mir persönlich sehr wichtig ist.
Wir hören oft von Clubs und Bars die eine Band nur unter der Auflage bei ihnen Auftreten lassen, wenn ein Mindestmaß an Karten abgenommen wird. Der Club druckt den Bands nun 80 Karten die für je (Beispiel) EUR 5,00 abgenommen werden müssen. EUR 4,00 werden davon vom Club einbehalten der restl. Euro geht dann an die Band. Statt den 80 Karten wurden nun aber nur 40 durch die Band verkauft – heißt also 160,00 EUR müssen sie drauf packen, um dort spielen zu dürfen.

Dies ist nicht nur eine absolute Frechheit den Künstlern gegenüber sondern aus meiner Sicht auch schlichtweg unfair. Die Bar profitiert nun aus drei Quellen:
– Neuem Publikum in Anbetracht auf seine Location
– Aus den Ticketverkäufen, und vor allem
– Aus dem Gewinn der verkauften Getränke & ggf. Speisen.

Der Künstler hat nun indirekt alle laufenden Kosten der Location für diesen Abend übernommen und für die Präsentation seiner Werke, statt einen gerechten Lohn zu erhalten, noch saftig draufgezahlt. Daher: Spricht mit der jeweiligen Location, der Band, dem Booker oder wer auch immer Euch eingeladen hat als Gastmusiker oder Vorband mitzuwirken und schlagt ihm statt diesem Pay-to-Play Mist doch einfach eine Alternative vor. Wenn sich der Locationbesitzer nicht auf irgendwelche Diskussionen einlässt, solltet Ihr Euch vielleicht überlegen, ob Ihr Euch auf diese Methodiken einlässt oder einfach dankend ablehnt. Entscheidet selbst und im Einzelfall, was Ihr für Eure Leistungen angemessen findet.

Habt Ihr Erfahrungen mit Veranstaltern oder Locations dieser Art sammeln können?
Erzählt uns von Euren Geschichten!

npommerening Dieser Artikel wurde verfasst von Nico Pommerening Tonefire Engineering

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