Die Vorbereitung für meinen Gig | Teil 2 (Serie)

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Für all jene, die unseren ersten Teil dieser Serie verpasst haben – kein Problem! Denn hier geht’s zum Anfang.

Fahren wir nun mit der Vorbereitung fort.Wir stellen uns zunächst die Frage, welcher ausschlaggebender Faktor uns am wichtigsten ist.
In den meisten Fällen ganz klar – der Sound!

Dieser setzt sich aus vielen Faktoren zusammen.

Künstler

  • Eigenes Equipment (Gitarre, Bass, Drums, Amps, Boxen…)
  • Spielerische bzw. persönliche musikalische Fähigkeiten

Sound Techniker

  • PA-Anlage
  • Mikrofone
  • Die eigentliche Mikrofonierung
  • Mischkonsole und der Umgang damit

Aus meiner persönlichen Sicht sowie eigenen Erfahrungen würde ich daher behaupten, dass der Künstler sowie der Tontechniker jeweils 50% des Sounds und somit den Gesamteindruck des Publikums auf Euch ausmacht. Ebenso ersichtlich und vor allem absolut notwendig ist eine gute Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Parteien, denn ohne einen von beidem geht’s schlichtweg nicht.

In den meisten Fällen kennen weder wir den Techniker noch er uns. Es ist also durchaus ratsam, im Vorwege etwas vorausschauend zu denken. Wir haben wenig Zeit, wollen eine zügige Aufbauphase, einen ebenso zügigen Soundcheck und einen bombastischen Sound. All dies ist ohne Vorbereitung auf die Situation sehr schwer umzusetzen. Abhilfe schafft hier ein Technical-Rider (auch Tech- oder Stage-Rider). Wir nehmen uns also ein Blatt Papier und stellen Grafisch wie auch Tabellarisch dar was von uns benötigt wird.

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Aufbau des Bühnenbildes – Equipment und dessen Versorgung ist eingezeichnet
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Um es den Techniker noch einfacher zu machen, wurde ein Belegungsplan des Mischpults entworfen. So kann der Mischer sofort erkennen, wie viele Eingänge benötigt werden.

Wir sehen in der linken Abbildung die Bühne in der Draufsicht. Das Schlagzeug in der hinteren Mitte, umgeben von jeweils einem Amp + 4x 12er Box für die Rhythmusgitarre sowie auf der rechten Seite von zwei Amps + Box für Lead- und Bassgitarre. Zusätzlich wurden Steckdosen für die Stromversorgung der elektrischen Geräte auf der Bühne eingezeichnet, sodass bereits während des Aufbaus der Bühne entsprechende Verteiler gelegt werden können. Dies erspart später nervige Kabel auf der Bühne, da diese bereits beim Aufbau versteckt werden können.

Etwas weiter vorne sehen wir drei Quadrate welche die jeweiligen Positionen der vorderen Kameraden beschreiben. Mit der Bezeichnung “VOX” wurde die Eigenschaft der Person gekennzeichnet (VOX = Vocals oder auch Gesang). Es ist zu erkennen, dass auch in der vorderen Reihe Strom benötigt wird um die Effektgeräte der Gitarristen und des Bassers zu betreiben.

Den Abschluss machen nun die Monitorboxen. Gekennzeichnet mit Monitor 1 bis 3 sehen wir sie auf diesem Bild als Trapez schräg vor den einzelnen Künstlern. Eine Ausnahme bildet hier der Schlagzeuger. Dieser spielt mithilfe des In-Ear-Monitorings – also kleinen Ohrstöpseln, welche des Ausgangssignal der Gruppe per Funk an ihn übermittelt. Je nach Größe des Auftritts und Geschmack des Schlagzeugers kann natürlich auch hier statt dem In-Ear-Monitoring eine klassische Monitorbox verwendet werden.

Um den Soundtechnikern die Arbeit noch etwas zu erleichtern, wurde zusätzlich zum “klassischem” Stagerider noch ein Zusatzblatt beigefügt. Auf dem rechten Bild sehen wir einen Belegungsplan des Mischpults. Unterteilt in DRUMS, GITARREN und VOX wurde aufgezeigt, wie viele Mischpulteingänge und ggf. auch Mikros es erfordert. Je nach Größe des Gigs macht es natürlich nicht immer Sinn jede Box sowie Toms und Becken der Drums abzunehmen. Bei der Größe eines kleinen Clubs mit rund 25 Leuten reicht durchaus die Abnahme des Basedrum, Snare sowie den Gesang. Alles andere wäre etwas zu übertrieben.

In unserem Beispiel bei einer Location von 100 bis 150 Leuten könnte man jedoch bereits darüber nachdenken, jeden Klang der Instrumente einzeln einzufangen und abzumischen.

Was wir bereits jetzt schon vermieden haben:

  • Aufregung und Stress durch fehlende Stromverteiler für unsere Verstärker, Boxen und Effekte
  • Kabel die einladend auf der Bühne herumfliegen und nur zum Stolpern und Drauftreten verleiten
  • Ständige Rückfragen zwischen Band & Techniker (á la “wir brauchen aber noch mehrere DI-Boxen für unsere Akustik-Gitarren..”)

Diese Punkte klingen nach Kleinigkeiten, aber alles miteinander gepaart führt dies eher. Später drängt die Zeit, es gibt für Euch keinen vernünftigen Soundcheck mehr, weil die Hälfte fehlte oder ggf. nachgerüstet werden musste und letztlich kommt es zu dem, was Ihr unbedingt vermeiden wolltet. Einen schlechten Sound. Zusammen mit dem schlechten Sound reist auch die schlechte Stimmung und dieser Gig wird für Euch eher zu einer Enttäuschung als zu einem großen Spass.

npommerening Dieser Artikel wurde verfasst von Nico Pommerening Tonefire Engineering

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